Nach seinem Theologiestudium in Marburg und Gießen wählte Hagelgans den Diplomatenberuf. Seit 1729 war er der erste wissenschaftliche Archivar in Idstein. 1747 wurde er zum Archivrat ernannt. Der durch ihn geschaffene Ordnungszustand des Zentralarchivs der nassau-walramischen Linie hat sich über ein Jahrhundert gehalten. Von besonderem Wert sind auch die von ihm konzipierten "Nassauischen Geschlechtstafeln" von 1753. Sie gelten als erste umfassende wissenschaftliche Leistung der nassauischen Geschichtsforschung.
Anton Ulrich von Erath, 1709-1773
Nach seinem Jurastudium an der Universität Helmstedt und ersten beruflichen Stationen am Archiv des Reichsstifts Quedlinburg sowie dem Archiv des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel, trat Erath 1747 eine Stelle als Regierungsrat und Archivar in der Zentralregistratur des Hauses Nassau-Oranien in Dillenburg an. In den folgenden 25 Jahren machte er sich um die Ordnung und Verzeichnung der dort zusammengeführten Teilarchive des Hauses Nassau-Oranien mit mehr als 7000 Urkunden und etwa 30.000 Aktenbänden verdient. Zum Dank wurde er 1750 in den erblichen Adelsstand erhoben.
Johannes von Arnoldi, 1751-1827
Der studierte Jurist Johhanes von Arnoldi trat 1777 als Sekretär in die nassauische Landesverwaltung ein und wurde 1796 zum Direktor des Dillenburger Archivs ernannt. Allerdings überließ Arnoldi das archivische Tagesgeschäft meist dem Registrator Karl Westerburg. Er selbst trat vor allem als Staatsmann beispielsweise als nassauischer Gesandter in Wien, Regensburg und Berlin sowie als Verfasser von historischen Werken wie der Geschichte der Oranien-Nassauischen Länder und ihrer Regenten hervor.
Friedrich Traugott Friedemann, 1793-1853
Nach seinen Leitungstätigkeiten an den Gymnasien in Zwickau, Wittenberg, Braunschweig und Weilburg wurde Friedemann 1840 Direktor des Nassauischen Zentralarchivs in Idstein. Er veröffentlichte zahlreiche Schriften und Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte sowie zur Landes- und Archivgeschichte. 1846 gründete er die "Zeitschrift für die Archive Deutschlands".
Karl Rossel, 1815-1872
Nach seinem Studium der Philologie und Theologie in Göttingen war Rossel zunächst etwa ein Jahrzehnt als Lehrer in Wiesbaden und Dillenburg tätig. Nachdem er jedoch 1850 wegen seiner liberalen Haltung aus dem Dienst entlassen worden war, wandte er sich mit großem Elan der historischen Forschung zu und veröffentlichte zahlreiche Abhandlungen zur Römerzeit und zur Geschichte seiner Heimatstadt Wiesbaden. Von 1851 bis 1862 war er als Sekretär des Vereins für Nassauische Altertumskunde tätig und übernahm 1856 auch die Leitung des vereinseigenen Museums. Von 1866 bis 1869 leitete er schließlich das nunmehr Preußische Staatsarchiv in Idstein, das durch den Übergang Nassaus an Preußen aus dem vormals Herzoglich-Nassauischen Zentralarchiv hervorgegangen war und zu dem bereits seit 1816 auch das Dillenburger Archiv gehörte.
Ludwig Götze, 1832-1878
Ähnlich wie sein Vorgänger Rossel, begann auch Ludwig Götze seine berufliche Laufbahn als Lehrer, bevor er sich 1873 umorientierte und Direktor am Staatsarchiv in Idstein wurde. Seine Amtszeit war vor allem durch die Entwicklung eines übersichtlichen Ordnungsplans (des sogenannte Götzeschen Systems) gekennzeichnet, der für die Sachakten eine bestandsintern einheitliche Sacheinteilung und für die Urkunden eine chronologische Ordnung einführte.
Wilhelm Sauer, 1843-1901
Nach dem Studium in Münster und Göttingen lernte Wilhelm Sauer das archivarische Handwerk zunächst an den preußischen Archiven in Münster, Hannover und Düsseldorf. 1878 folgte er Ludwig Götze im Amt des Archivdirektors in Idstein nach und führte die von diesem begonnene Neuordnung der Bestände fort. Unter Sauers Leitung wurde das Idsteiner Archiv schließlich nach Wiesbaden verlegt und bezog dort 1881 einen neoklassizistischen Archivzweckbau.
Paul Adolf Heinrich Wagner, 1852-1941
Wagner studierte an den juristischen und philosophischen Fakultäten in Berlin, Bonn und Halle und war somit doppelt für seinen Eintritt in den staatlichen Archivdienst 1877 qualifiziert. Ab 1921 Archivdirektor in Wiesbaden, hat er das dortige Archivwesen unter Anderem durch den Bau eines modernen Magazins und eine umfassende Neuordnung der Bestände geprägt. 34 Jahre lang war er Vorsitzender der Historischen Kommission für Nassau und sorgte für eine quellenkritische Neubelebung der nassauischen Landesgeschichtsforschung.
Otto Meinardus, 1854-1918
Über Stationen am Staatsarchiv Hannover und dem Geheimen Staatsarchiv Berlin kam Otto Meinardus 1894 ans Staatsarchiv Wiesbaden, wo er 1898 zum Archivrat ernannt wurde. In seiner Zeit in Wiesbaden trat er vor allem durch zahlreiche landesgeschichtliche Beiträge und besonders durch die Herausgabe eines Quellenwerkes zum Katzenelenbogischen Erbfolgestreit hervor. Darüber hinaus geht die Gründung der Historischen Kommission für Nassau im Jahr 1897 auf seine Initiative zurück.
Max Domarus, 1866-1946
Nach Studienaufenthalten in Münster, Berlin und Halle sowie einem Stipendium der Görres-Gesellschaft in Rom kam Domarus über den preußischen Archivdienst, zunächst am Staatsarchiv Hannover, im Jahr 1900 an das Staatsarchiv Wiesbaden, welches er von 1921 bis 1931 als Archivdirektor leitete. Profiliert hat sich Domarus vor allem mit Forschungen zur Ortsgeschichte von Dernbach, Hattersheim und Limburg, wovon seine Abhandlungen in den Nassauischen Annalen, in den Nassauischen Heimatblättern und sein aktives Engagement mit Vorträgen und als Angehöriger des Vorstandes des Nassauischen Altertums- und Geschichtsvereins in Wiesbaden zeugen.
Wilhelm Georg Smidt, 1885-1968
Nach seinem Studium in Freiburg im Breisgau, Bonn und Berlin begann Smidt seine archivarische Arbeit 1913 im Staatsarchiv Hannover. 1919 bis 1924 löste er in Wetzlar das dortige preußische Staatsarchiv auf und teilte die verbliebenen Aktenbestände des Reichskammergerichts den preußischen Provinzen zu. Seit 1939 bis 1947 war er Direktor des Staatsarchivs Wiesbaden und bis 1948 Vorsitzender der Historischen Kommission für Nassau.
Georg Wilhelm Sante, 1896-1984
Sante war seit 1928 Archivar im preußischen Staatsarchiv Wiesbaden und wurde während des Zweiten Weltkriegs beim deutschen Befehlshaber in Belgien für den Schutz der Archive eingesetzt. Anschließend fungierte er zunächst als Berater der amerikanischen Militärregierung in Wiesbaden, bevor er 1947 die Leitung des Staatsarchivs übernahm. In dieser Funktion sowie als Referent für die Archive und Bibliotheken im Hessischen Kultusministerium (1948-1961) war Sante maßgeblich am Neu- bzw. Wiederaufbau des Archivwesens im gerade gegründeten Land Hessen beteiligt.
Otto Renkhoff, 1905-1995
Nach der 1933 abgeschlossenen Ausbildung zum preußischen Staatsarchivar wirkte Renkhoff am Staatsarchiv und späteren Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, das er zwischen 1961 und 1970 leitete. Renkhoff zeichnete sich insbesondere durch eine rege Herausgeberschaft wissenschaftlicher Zeitschriften aus. Darüber hinaus gab er zusammen mit Karl Ernst Demandt das hessische Ortswappenbuch heraus und verfasste mit der Nassauischen Biographie ein Standardnachschlagewerk für bekannte und berühmte Nassauer.
Karl Ernst Demandt, 1909-1990
Demandt war seit 1936 zunächst Archivar in Marburg und nach dem Zweiten Weltkrieg im Hessischen Hauptstaatsarchiv, von wo er 1963 als stellvertretender Direktor und Archivschuldozent an das Marburger Staatsarchiv zurückkehrte. Neben Ordnung und Verzeichnung großer und wichtiger Archivbestände (in Wiesbaden beispielsweise die Akten der preußischen Regierung) stach Demandt durch eine für die hessische Landesgeschichte bedeutende Publikationstätigkeit hervor. Zu seinen Werken zählen Veröffentlichungen zu den Grafen von Katzenelnbogen sowie die erste Gesamtdarstellung zur Geschichte des Landes Hessen von 1959.
Wolf-Heino Struck, 1911-1991
Nach Studium, Ausbildung und Teilnahme am Zweiten Weltkrieg kam Struck 1948 an das Hessische Staatsarchiv Wiesbaden, dessen Leitung er 1971 übernahm. Als Archivar kam ihm das Verdienst zu, sich lange vernachlässigten Archivbeständen darunter die Abteilung des Herzoglich-nassauischen Staatsministeriums angenommen zu haben. Darüber hinaus machte Struck sich durch zahlreiche Publikationen wie die Regesten des Zisterzienserklosters Marienstatt oder dem Bauernkrieg am Mittelrhein schnell einen Namen als Landeshistoriker.
Hellmuth Gensicke, 1917-2006
Seine schon 1938 begonnene Dissertation zur Landesgeschichte des Westerwaldes, die später ein Standardwerk wurde, konnte Gensicke erst nach der Teilnahme am Zweiten Weltkrieg abschließen. Danach gelangte er in den Archivdienst. Zunächst am Staatsarchiv Darmstadt tätig, wurde Gensicke 1965 an das Hessische Hauptstaatsarchiv Wiesbaden versetzt, wo er mit der Erschließung mehrerer älterer Archivabteilungen sowie mit dem Aufbau der Justizbestände betraut wurde. Gensicke hinterließ ein überaus umfangreiches Schriftenverzeichnis, das rund 500 Titel zur nassauischen Geschichte beinhaltet.
Wolf-Arno Kropat, 1932-2004
Wolf-Arno Kropat war seit 1964 Archivar am Hessischen Hauptstaatsarchiv und beschäftigte sich spätestens nach seiner Ernennung zum Archivdirektor im Jahre 1976 schwerpunktmäßig mit der neueren hessischen Geschichte. Dazu zählen wichtige Themen wie die Judenverfolgung während der NS-Zeit sowie die Geschichte Hessens in der frühen Nachkriegszeit, deren Erforschung er auch als Vorsitzender der Historischen Kommission für Nassau förderte. In Kropats Amtszeit fiel der 1985 vollzogene Umzug in den Neubau in der Mosbacher Straße, den er zum Ausbau der zeitgeschichtlichen Dokumentation und der Sammlung von Partei- und Verbandsschriftgut nutzte, sowie die Einführung der elektronischen Datenverarbeitung.