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Bestandserhaltung

Thermohygrograph im Magazinraum

Schutz vor Zerfall und Vernichtung

Dass mittelalterliche Urkunden aus Pergament noch heute meist einwandfrei lesbar sind, die Zeitung vom Vorjahr aber brüchig und vergilbt, ist kein Zufall. Jedes Trägermaterial im Archiv bedarf einer besonderen Behandlung, um für kommende Generationen erhalten zu werden.

Kleiner Aufwand – große Wirkung

Durch Lagerbedingungen, die auf die jeweiligen Bedürfnisse der Archivalien abgestimmt sind, lassen sich viele Schäden vermeiden. Die Magazine sind daher auf einer konstanten Temperatur von maximal 18°C und einer relativen Luftfeuchte von 40-65% gehalten. Ein Thermohygrograph überwacht diese Bedingungen.

Die Archivalien werden zum Schutz vor Rost von Metallteilen (Büro- und Heftklammern, Schnellheftern etc.) befreit und in säurefreie Kartons umgebettet.

In vielen Fällen reichen diese vorbeugenden Maßnahmen nicht aus. Oft liegen Vorschäden aufgrund einer früheren unzureichenden Lagerung vor, vom Mäusefraß oder Insektenbefall über Brandschäden bis hin zu Schimmelpilz.

Einige Materialien bergen aber auch eine Art Selbstzerstörungsmechanismus in sich, dem aktiv gegengesteuert werden muss. Am häufigsten tritt in älteren Dokumenten Tintenfraß auf, wobei die seinerzeit gebräuchliche eisenhaltige Tinte Rostlöcher im Papier verursacht. Daneben sind es besonders moderne Papiersorten, die seit dem frühen 20. Jahrhundert aus kurzen Holz- oder Zellulosefasern mit säurehaltiger Leimung hergestellt wurden, und innerhalb weniger Jahre brüchig werden und vergilben.

Farbfotografien und -filme können durch chemische Prozesse ihre Farbe ändern. Digitale Datenträger sind kurzlebig, so dass die Daten stetig auf neue Trägermedien umkopiert werden müssen.

Zur Bestandserhaltung gehören mehrere Maßnahmenbündel:

  • Erhalt des Materials durch Konservierung:
    Dies umfasst im weitesten Sinne das Ausschließen eventueller Schadensursachen, etwa durch geeignete Lagerbedingungen oder durch die Vermeidung der Nutzung (z. B. mithilfe von Schutzverfilmung
  • Instandsetzung durch Restaurierung:
    Hier werden bereits eingetretene Schäden durch bestimmte Verfahren behoben.
  • Rekonstruktion:
    Manchmal wird es nötig, zur Stabilisierung der Archivalien Fehlstellen zu ersetzen (Papieranfaserung, Laminierung, Ergänzung von Wachssiegeln). Die Maßnahmen werden so vorgenommen, dass ihre Nachträglichkeit deutlich sichtbar bleibt.
  • Erhalt der Information durch Ersatzverfilmung:
    Wenn das Original nicht mehr zu retten ist, bleibt die Möglichkeit, durch Mikroverfilmung oder Digitalisierung eine haltbare Ersatzüberlieferung zu schaffen.
    Für den Katastrophenfall werden seit Jahren bundesweit Sicherungsfilme von Archivbeständen hergestellt und in einem Bergstollen im Schwarzwald eingelagert. Die Sicherungsverfilmung für die hessischen Archivalien findet zentral im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden statt.

Der Archivbenutzer als Feind der Archivalien? Letztlich stellt jede Benutzung für Archivalien eine Beanspruchung dar. Sie werden zur Vorlage im Lesesaal Temperaturschwankungen ausgesetzt, Umblättern und Knicken sind mechanische Belastungen. Nicht zuletzt können direkte Berührungen und Atemluft den Archivalien schaden.


Links zum Thema:
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